Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin

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Inhalt: Biokraftwerk

.... Fortsetzung

Eine Ära war zu Ende gegangen, die am 6. August 1963 am Tempelhofer Bahnhof Teltowkanal begann. Zwei Jahre nach dem Bau der Mauer machte sich ein erster Kohlenzug der Neukölln-Mittenwalder-Eisenbahn AG (NME) am Teltowkanal Kilometer TeK km 25,21 auf die Reise. Eine halbe Stunde später hatte er am Kilometer TeK km 32,30 sein Ziel erreicht: das neue Heizkraftwerk Rudow wurde in Betrieb genommen.

Mit dem Mauerbau hatten sich die Rahmenbedingungen in West-Berlin schlagartig geändert. Wachstumsflächen ins Umland waren nicht mehr verfügbar. Bauvorhaben wurden verdichtet. Walter Gropius, der am 7. November 1962 mit dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt den Grundstein für die Gropiusstadt legte, musste sein Konzept ändern. Da die höhere Dichte ein Mehr an Flächen für die Infrastruktur verlangte, wurden aus den von Gropius ursprünglich vorgesehenen fünfgeschossigen Wohnhäusern deutlich höhere Gebäude – das Wohnhochhaus an der Fritz-Erler-Allee mit 31 Etagen und 89 Metern Höhe das höchste.

Strom und Wärme für die 1,3 Millionen Quadratmeter Wohn- und Geschäftfläche sowie das Krankenhaus Neukölln kamen aus dem Heizkraftwerk Rudow - 165 Megawatt Strom und 225 MW Wärme. Täglich wurden 1.200 Tonnen Steinkohle über eigens verlegte Bahngleise herangeschafft. Rechnet man zusammen, was die NME zwischen 1963 und 2004 an Steinkohle angefahren hat, dann wäre dafür ein Zug mit etwa 170.000 Waggons notwendig - eine Länge von mehr als 2.000 Kilometern. So mancher Johannisthaler fragte sich damals beim Blick über die Mauer, was sich wohl unter dem mit Planen abgedeckten turmhohen Berg neben dem Kraftwerk verbirgt: die Senatskohlereserve.

Die Senatsreserve ist abgebaut, das Kohlekraftwerk nicht, weil es als „Kaltreserve“ erhalten bleibt, und innerhalb von drei Monaten wieder ans Netz gehen könnte. Einen Kilometer weiter aber gibt es nun „das modernste Holzheizkraftwerk in Deutschland“, dessen Kohlendioxid-Emissionen durch die Holzbefeuerung im Vergleich zur Kohlebefeuerung allerdings im Jahr um 235.000 Tonnen gesunken sein sollen. Nach offiziellen (nicht überprüften) Angaben soll das den Abgasen von 75.000 Autos bei einer Leistung von jeweils 15.000 Kilometern im Jahr entsprechen.

Das Holzheizkraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung, was bedeutet, dass Brennstoffenergie in einem Prozess zu Strom und Wärme wird. Dafür sind jährlich rund 200.000 Tonnen Holz erforderlich – frisch aus dem Wald oder alt von der Kippe. Genannt wird das ganze „Bioenergie“ und begründet damit, dass „Holz im Gegensatz zu fossilen Energieträgern klimaneutral verbrennt. Das heißt, Pflanzen nehmen während ihres Wachstums mit Hilfe von Sonnenenergie so viel Kohlendioxid auf und binden es, wie bei der Verbrennung freigesetzt wird. Fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas hingegen setzen beim Verbrennen CO 2 frei“.

Harpen EKT wartet in Berlin mit guten Zahlen auf: 360.000 MWh Wärmeenergie für 20.000 Wohneinheiten und 50.000 Einwohner, 100 MW Brennstoffleistung, 20 MW Elektrische Leistung, 60 MW Thermische Leistung – in Spitzenzeiten könnten Reservekessel zusätzlich 130 MW liefern.