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Inhalt: Geschichte

Wasserstraße Seddinsee und Gosener Kanal (WSG)

km 0,00 (Abzweigung aus der SOW, Anfang OSK, bei km 44,85) bis 2,90 (Anfang Gosener Kanal) - Seddinsee - km 2,90 bis 5,73 (Einmündung in die RüG, Dämeritzsee, = RüG-km - 0,46) - Gosener-Kanal - Abzweigung aus dem Seddinsee bis Einmündung in die Rüdersdorfer Gewässer (RüG), Dämeritzsee (Länge gemessen)

Anläufe, den Dämeritzsee und den Seddinsee durch einen Kanal zu verbinden, gab es schon im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Die Idee war nicht spektakulär, zumal die beiden Seen über den Gosener Graben bereits eine Wasserverbindung hatten. Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Spiele am 13. Mai 1931 an Deutschland vergab, ahnte niemand, dass der Weimarer Republik eine Diktatur folgen würde. Die Nationalsozialisten erkannten die Chance, in den Tagen vom 1. bis 16. August 1936 mit den XI. Olympischen Spielen ihr Prestige aufzubessern. In Charlottenburg entstand das „Reichssportfeld“, in Köpenick auf dem 1896 vom Regatta-Verein gepachteten Gelände die Regattastrecke Grünau als Austragungsort der Ruder- und Kanuwettbewerbe.

Die Spiele wurden unter der Leitung von Joseph Goebbels perfekt vorbereitet. Nichts sollte stören, schon gar nicht Auseinandersetzungen mit den Binnenschiffern der Spree-Oder-Wasserstraße, falls die Regattastrecke zwischen km 37,10 und km 39,10 in der Zeit der Kanu- und Ruder-Wettbewerbe für den Schiffsverkehr hätte gesperrt werden müssen. Die Umgehung der Regattastrecke Grünau vom 7. bis 8. August für die Kanuten und vom 11. bis 14. August 1936 für die Ruderer war letztlich der Grund, unter Einbeziehung von Müggelspree, Müggelsee und Dämeritzsee eine Ausweichroute hin zum Oder-Spree-Kanal der Spree-Oder-Wasserstraße (SOW) und zur Dahme-Wasserstraße (DAW) zu entwickeln. Am 15. August 1933, ein halbes Jahr nach der Machtergreifung Hitlers, begannen zwischen Dämeritzsee und Seddinsee die Bauarbeiten für den Gosener Kanal.

Da nichts dem Zufall überlassen werden sollte, wurden ein Jahr vor den Olympischen Spielen sowohl die 2000 Meter lange Regattastrecke mit ihren sechs Bahnen als auch die neu errichtete Tribüne für 9000 Besucher während der Europameisterschaften im Rudern getestet. Ein halbes Jahr vor Eröffnung der Olympiade wurde der vier Kilometer lange Gosener Kanal Ende Januar 1936 dem Verkehr übergeben.Für das Projekt war kein außergewöhnlicher Aufwand erforderlich. Die Trasse wurde zwischen dem östlichen Rand der Bürgerheide und den Gosener Wiesen ziemlich gradlinig durch den Forst geschlagen. Auf Staustufe oder Schleuse konnte verzichtet werden, da das Wasserspiegelgefälle zwischen Dämeritz- und Seddinsee bei Mittelwasser nur etwa 0,10 Meter beträgt. Er wurde für 600-Tonnen-Schiffe von 8,00 Meter Breite und 1,75 Meter Tiefgang (Plauermaßkähne) konzipiert. Das trapezförmige Profil weist eine Wassertiefe von 2,25 Meter, 16,00 Meter Sohlenbreite und 30,00 Meter Wasserspiegelbreite auf. Die Böschungsbefestigung reichte auf der Wiesenseite von 1 Meter unter, auf der Heideseite bis 1 Meter über den Wasserspiegel.

Seither gibt es also einen Gosener Kanal und einen Gosener Graben. Beide verbinden Dämeritzsee und Seddinsee, der von da an etwas von seiner Ruhe und Beschaulichkeit hergeben musste. Hatte er bisher am südlichen Ende an der Berührung mit der Dahme nur die Einfahrt in den Oder-Spree-Kanal der Spree-Oder-Wasserstraße, so bekam er nun noch die Einfahrt in den Gosener Kanal und weiter zu den Rüdersdorfer Gewässern. Der Seddinsee, 4 Kilometer lang, 500 Meter breit und bis zu 7 Meter tief, ist eigentlich nur von Wald umgeben. Für etwas Abwechslung sorgen mehrere kleine Inseln, unmittelbar an der Mündung in die Dahme Weidenwall und Werderchen, auf halber Höhe des Sees bei km 1,25 und km 1,50 Seddinwall und Kleiner Seddinwall und vor der Gemeinde Gosen die Inseln Nixenwall, Dommelwall und Berg.

Als Rüdersdorf zum größten Baustoffproduzenten der DDR avancierte, und die inzwischen zu Hauptwasserstraßen erklärten Rüdersdorfer Gewässer die Schiffstransporte zwischen den Industriegebieten von Rüdersdorf und Königs Wusterhausen aufnehmen mussten, wurde der Gosener Graben 1964/66 für Sportboote ausgebaut und damit der Gosener Kanal entlastet. In der 1968 veröffentlichten Sportbootanordnung der DDR hieß es, dass auf dem Kanal „außer Sportruderbooten und Sportmotorbooten mit einer Maschinenleistung ab 3,5 PS - unabhängig von ihren Abmessungen - nur solche Sportboote fahren dürfen, die eine Länge über alles von mehr als 6,00 m bzw. eine Breite von mehr als 3,00 m oder einen Tiefgang von mehr als 0,80 m haben“.

In den Sonderbestimmungen 2006\374 wurde festgelegt: „Auf dem Gosener Graben ist der Verkehr von Kleinfahrzeugen mit Maschinenantrieb nicht gestattet.“